“Manches könnte auch ein bisschen zügiger gehen”
(Quelle: Norddeutsche Rundschau, vm) Die ersten 100 Tage sind um: Portrait der fünf Steinburger Landtagsabgeordneten / Heute: Heiner Rickers
Seit September 2009 ist der Kreis Steinburg erstmals durch fünf Abgeordnete im Kieler Landtag vertreten. Die Einarbeitungszeit ist vorbei. Wie sieht die erste politische und auch persönliche Bilanz aus? Welche Aufgaben, Ziele und Wünsche haben Hans-Jörn Arp und Heiner Rickers (beide CDU), Birgit Herdejürgen (SPD), Bernd Voss (Grüne) und Ranka Prante (Linke)? Unser Redaktionsmitglied Volker Mehmel sprach mit den Abgeordneten. Für Heiner Rickers begann die Landtagsarbeit mit einer Führung durch seinen Wahlkreis-Vorgänger und langjährigen Landtagspräsidenten Martin Kayenburg. Dann ging alles Schlag auf Schlag. Einweisung, Prioritäten festlegen, Aufgaben verteilen. Der Abgeordneten-Neuling bekam die Bereiche Umwelt, Agrar, Bildung und Europa. “Damit hatte ich alle meine Wunschthemen besetzt.” Zusätzlich wurde der Landwirt aus Oeschebüttel auch noch agrarpolitischer Sprecher seiner CDU-Fraktion.
Schon nach den ersten zwei, drei Monaten hat Rickers gemerkt: “Das ist alles mit ziemlich viel Aufwand verbunden.“ Vier Wochentage verbringt er in den Landeshauptstadt. Hinzu kommen zahlreiche Abendtermine auch im Wahlkreis. Rickers nimmt die Herausforderung gerne an: “Wir werden ja auch nicht für unsere Abwesenheit bezahlt. Immerhin wurden durch sein Mandat – gewissermaßen nebenbei – auch noch zwei Arbeitsplätze geschaffen. Auf seinem Hof. Schließlich muss auch die Arbeit in seinem Futterbau- und Milchviehbetrieb weitergehen. Hinzu kommen eine Reihe von weiteren ehrenamtlichen Aufgaben. Rickers ist in Schulverband, Amtsausschuss und Kreistag aktiv – und schließlich auch noch Bürgermeister seiner Heimatgemeinde, wo er sich in den vergangenen harten Winterwochen persönlich um die öffentliche Schneeräumung kümmerte. Daneben gibt es noch Aufgaben auf Bundesebene, gelegentliche Exkursionen, ungezählte Gespräche und Besprechungen “und eine gewisse Medienpräsenz”. Rickers klagt nicht, lässt aber die Ungeduld des Landtagsneulings erkennen. “Oft werden immer dieselben Themen immer wieder neu durchgekaut. Da könnte einiges auch ein bisschen zügiger gehen.”
Sein Hauptbetätigungsfeld ist derzeit die Novellierung des Landesnaturschutzgesetzes. Die Bandbreite reicht von Flächenverbrauch bis zu Biotopen. “Ich verstehe mich hier als Interessenvertreter der praktizierenden Landwirte”, schiebt Heiner Rickers seinen beruflichen Hintergrund ins Blickfeld. Er macht sich für neue Regeln bei Ausgleichsmaßnahmen stark und dafür, dass nicht immer alle Entscheidungen nur am Thema Geld ausgerichtet werden. Rickers plädiert für mehr intelligente und kreative Lösungen und macht ganz deutlich: “Brachland ist in einem Land wie Schleswig-Holstein mit ebenso guten wie rarer werden Böden nicht der richtige Weg.” Bei diesem Themenkomplex – ebenso bei einem neuen Wassergesetz – bekommt er es auch häufig mit Verbänden aller Art zu tun. “Wenn man hier moderieren muss, bekommt man schon manchmal Achselschweiß”, bekennt der nach außen stets recht cool wirkende Oeschebütteler.
Die Arbeit im Landtag macht ihm Spaß, fasst er die ersten Monate zusammen. Vor allem: “Es gibt hier viele gute junge Leute, von denen viele ebenfalls aus der Kommunalpolitik kommen.” Das Klima im Kieler Landeshaus empfindet er als “freundlich und locker”. Am Ende der auf fünf Jahre angesetzten Legislaturperiode wünscht er sich nichts mehr als eine gelungene Sanierung des Haushalts. “Alles andere ist dagegen zweitrangig.” Natürlich hofft der Christdemokrat auch, dass es mit der Autobahn 20 und der Elbquerung weitergeht.
Ganz oben auf der Wunschliste: “Ich hoffe, dass unsere typisch bäuerlichen Strukturen nicht komplett verlorengehen.” Heiner Rickers weiß, welche Probleme in den nächsten Jahren auf den ländlichen Raum zukommen, und dass angesichts der demographischen Entwicklung der Kampf um Schulen und Kindergärten erst losgehen wird. Apropos Bildung: “Hier ist nicht alles ganz ausgegoren. Wir können und wollen aber auch nicht alles wieder zurückdrehen.” Der vor wenigen Wochen wieder aufgeflammten Nordstaats-Debatte sieht Rickers da eher gelassen entgegen. Auch in zehn Jahren werde es Schleswig-Holstein noch geben, ist er überzeugt. Nur in einem Bundesland dieser Größenordnung gebe es “die richtige Denke, die für Entscheidungen förderlich ist”. Er fügt hinzu: “Man muss die notwendigen Entscheidungen noch spüren können. Notfalls müssen sie einem auch persönlich wehtun können.” Als einer von fünf Steinburger Landtagsabgeordneten wird Heiner Rickers da in den nächsten Jahren sicher einiges zu spüren bekommen.
vm (sh:z)
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